Ein Jahr nach dem Metaverse Kongress in Stuttgart

Neuheiten für KMU

Person mit VR Brille
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April 2026


„Virtuelle Welten – Chancen im Metaverse erleben“ lautete der Titel der großen Technologie-Konferenz, die im Mai 2025 vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Virtual Dimension Center in Stuttgart veranstaltet wurde. Mehr als 3000 Besucher informierten sich, knüpften Kontakte und erschlossen sich neue Chancen in der Welt von Virtual und Augmented Reality. Seitdem hat das Thema weiter an Fahrt aufgenommen.

Rückblick auf den Kongress 2025

Inhaltlich drehte sich alles um das sogenannte industrielle Metaverse, einer digitalen Umgebung, in der reale Produktionsprozesse durch virtuelle Abbilder – sogenannte digitale Zwillinge – ergänzt werden. Dadurch können Maschinen, Fabriken und Abläufe simuliert, analysiert und optimiert werden, noch bevor etwas in der realen Welt umgesetzt wird. Die dahinter liegenden Technologien umfassen Virtual Reality, Augmented Reality und Extended Reality, aber auch Themen wie digitale Zwillinge und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz. 


Der Fokus lag dabei weniger auf futuristischen Visionen, sondern vor allem auf konkreten Anwendungsfällen in der Praxis, etwa in der Industrie, im Bildungsbereich oder in der Medizin. Die Veranstaltung war vielseitig aufgebaut: Neben Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Keynotes gab es auch Workshops, Beratungsangebote für Unternehmen sowie zahlreiche Möglichkeiten zum Netzwerken. Ein zentraler Bestandteil war die begleitende Messe mit über 160 Ausstellern, die ihre Technologien und Lösungen vor Ort demonstrierten. Zudem wurden Auszeichnungen für innovative Projekte im Bereich KI und Metaverse vergeben.


Mit mehr als 3000 Teilnehmenden aus dem In- und Ausland entwickelte sich der Kongress zu einer wichtigen Plattform für den Austausch zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Start-ups. Gleichzeitig war er Teil der XR EXPO 2025 und trug dazu bei, Stuttgart und Baden-Württemberg als bedeutenden Standort für immersive Technologien und digitale Innovationen zu positionieren. Insgesamt verfolgte die Veranstaltung das Ziel, Unternehmen – insbesondere den Mittelstand – beim Einstieg in neue digitale Welten zu unterstützen und die wirtschaftlichen Potenziale des Metaverse greifbar zu machen.

Neue Förderung und Leuchtturmprojekte

Anfang März 2026 gab das Wirtschaftsministerium BW bekannt, immersive Technologien mit weiteren 2,4 Millionen Euro zu fördern. Der Schwerpunkt liegt auf den beiden Projekten „CyberLÄND“ und „Industrial Metaverse Reallabor“. Beide zielen darauf ab, die Digitalisierung der Wirtschaft entscheidend voran zu treiben. Doch was genau verbirgt sich hinter den Projekten?

CyberLÄND
CyberLÄND ist eine Plattform und zugleich ein Netzwerkprojekt, das Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Dienstleister miteinander verbindet, die an Technologien wie Virtual Reality, Augmented Reality oder digitalen Zwillingen arbeiten. Ziel ist es, die bereits vorhandenen Kompetenzen im Land sichtbar zu machen und besser zu vernetzen, sodass daraus konkrete Innovationen und Geschäftsmodelle entstehen können.


Das Projekt wird vom Land Baden-Württemberg gefördert und ist Teil einer größeren Strategie, die digitale Wirtschaft zu stärken und eine führende Rolle im Bereich „immersiver Technologien“ einzunehmen. Dabei geht es nicht nur um Visionen des Metaverse, sondern vor allem um praktische Anwendungen – zum Beispiel in der Industrie, im Maschinenbau, in der Kreativwirtschaft oder im Bildungsbereich. 


Ein zentraler Bestandteil von CyberLÄND ist eine digitale Plattform: Dort werden konkrete Anwendungsbeispiele („Use Cases“) gesammelt, Unternehmen können passende Partner finden (Matchmaking), sich über technologische Entwicklungen informieren und Unterstützung bei Förderprogrammen oder Fachkräftefragen erhalten. 
Inhaltlich baut CyberLÄND auf einer früheren Studie auf, die untersucht hat, welche Chancen das Metaverse für Baden-Württemberg bietet und wie Politik und Wirtschaft diese Entwicklung aktiv gestalten können. CyberLÄND dient daher als strategische Initiative bzw. Infrastruktur, die dabei helfen soll, das Metaverse wirtschaftlich nutzbar zu machen und Baden-Württemberg als wichtigen Standort für diese Technologien zu positionieren. Die Fördersumme beträgt 400.000 Euro.
 

Industrial Metaverse Reallabor
Das Industrial Metaverse Reallabor BW ermöglicht es Unternehmen, neue digitale Technologien unter realen Bedingungen auszuprobieren und in die Praxis zu überführen. Es dient als eine Art experimentelle Testumgebung, in der die reale Industrie mit virtuellen Technologien verbunden wird. Die Umsetzung erfolgt durch mehrere Partner, darunter Fraunhofer-Institute, die Filmakademie Baden-Württemberg und der Forschungscampus ARENA2036 in Stuttgart. Ziel ist es, die vorhandenen Kompetenzen aus verschiedenen Bereichen wie Industrie, Forschung und Kreativwirtschaft zusammenzuführen und gemeinsam an konkreten Anwendungen zu arbeiten. 


Das Reallabor verfolgt, ähnlich wie CyberLÄND, einen sehr praxisnahen Ansatz zum Thema Metaverse: Unternehmen sollen nicht nur theoretisch über diese Technologien lernen, sondern sie direkt testen und für ihre eigenen Prozesse nutzbar machen können. Konkret bedeutet das, dass gemeinsam mit Firmen echte Anwendungsfälle entwickelt werden – etwa wie Virtual Reality, Datenmodelle oder KI eingesetzt werden können, um Produktion effizienter, flexibler oder nachhaltiger zu gestalten. 


Der Begriff „Reallabor“ ist dabei entscheidend: Anders als in klassischen Forschungsprojekten geht es hier um Experimente unter realen Bedingungen. Neue Technologien werden direkt im Zusammenspiel von Wissenschaft und Wirtschaft erprobt, angepasst und weiterentwickelt, sodass sie schneller in marktfähige Lösungen übergehen können. Die Fördersumme beträgt 2 Mio. Euro.

 

Digitale Zwillinge auch international weiter im Trend

Internationale Trends im Industrial Metaverse zeigen klar, dass sich das Thema stark verändert hat: weg von visionären „virtuellen Welten“ hin zu konkreten industriellen Anwendungen mit messbarem Nutzen. Ein zentraler globaler Trend ist die Verschmelzung von realer Industrie und digitalen Zwillingen. 


Unternehmen bauen virtuelle Abbilder von Maschinen, Fabriken oder ganzen Lieferketten, die in Echtzeit mit Daten aus der physischen Welt gespeist werden. Dadurch können Prozesse simuliert, Fehler früh erkannt und Produktionsabläufe optimiert werden, noch bevor reale Kosten entstehen. Diese Nutzung von digitalen Zwillingen gilt heute als das „Herzstück“ des Industrial Metaverse und treibt die Produktivität und Effizienz erheblich. 


Eng damit verbunden ist der zweite große Trend: die Integration von KI, IoT und Cloud-Technologien. Moderne Industrieplattformen kombinieren Sensordaten (IoT), künstliche Intelligenz und Cloud- bzw. Edge-Computing, um komplexe Systeme in Echtzeit zu steuern und zu analysieren. Dadurch entstehen hochvernetzte, datengetriebene Produktionsumgebungen, die sich dynamisch anpassen können. 


Ein weiterer wichtiger Trend ist die praktische Nutzung von XR-Technologien (VR, AR, Mixed Reality) im Arbeitsalltag. Diese werden weltweit zunehmend eingesetzt – etwa für Wartung, Schulung oder Designprozesse. Mitarbeitende können Maschinen virtuell bedienen, Trainings in sicheren Simulationen durchführen oder weltweit gemeinsam an 3D-Modellen arbeiten. Das hilft besonders gegen Fachkräftemangel und steigende Komplexität in der Industrie. 
 

Bedeutung für die Zusammenarbeit: Remote & Collaborative

Das Industrial Metaverse entwickelt sich stark in Richtung „Remote & Collaborative Work“. Teams arbeiten standortübergreifend in gemeinsamen virtuellen Umgebungen, was globale Zusammenarbeit erleichtert und Reiseaufwand reduziert. Gerade internationale Konzerne setzen zunehmend auf solche kollaborativen Plattformen. D, doch das Thema ist auch relevant für KMU. Das birgt eine grundlegende Veränderung der Zusammenarbeit – intern und mit Partnern. 


Für KMU bedeutet diese Entwicklung vor allem, dass Zusammenarbeit nicht mehr an einen physischen Ort gebunden ist. Statt dass Teams, Zulieferer oder Kunden an einem Standort zusammenkommen müssen, können sie sich in virtuellen, gemeinsamen Arbeitsräumen treffen – oft in Form von 3D-Umgebungen oder digitalen Zwillingen von Maschinen und Produkten. Dort arbeiten sie gleichzeitig an denselben Daten, Modellen oder Prozessen, als wären sie vor Ort. 


Gerade für KMU in Baden-Württemberg – die häufig stark in industrielle Wertschöpfungsketten eingebunden sind – eröffnet das neue Möglichkeiten der unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit. In solchen virtuellen Räumen können mehrere Firmen gleichzeitig an Projekten arbeiten, ohne ihre sensiblen Daten komplett offenlegen zu müssen. Das ist besonders relevant für den Mittelstand, der oft mit vielen spezialisierten Partnern zusammenarbeitet.

Beispiel: Ein Maschinenbauer, ein Zulieferer und ein Kunde müssen sich nicht mehr physisch treffen. Sie können im Industrial Metaverse gemeinsam an einem digitalen Prototyp arbeiten, ihn verändern und direkt testen. Solche Formen der Zusammenarbeit gehen deutlich über klassische Videokonferenzen hinaus und ermöglichen echtes „gemeinsames Arbeiten am Objekt“.

 

Mehrwert: Vom Hype zur Wirtschaftlichkeit mit hoher Wachstumsprognose

Aus der Zusammenarbeit im Metaverse ergeben sich zahlreiche konkrete Mehrwerte:

- Zusammenarbeit wird effizienter und schneller, da Entscheidungen früher getroffen werden können, alle Beteiligten gleichzeitig Zugriff auf dieselben Informationen haben und Änderungen sofort sichtbar sind.
- Die Kosten sinken, etwa für Reisen oder physische Prototypen, da vieles virtuell simuliert werden kann.
- Es wird einfacher, externes Know How einzubinden, etwa Expertinnen und Experten aus anderen Regionen oder Ländern.
- Die Fachkräftesituation wird verbessert, denn KMU können durch die neuen Technologien leichter mit Spezialisten zusammenarbeiten, ohne sie fest vor Ort haben zu müssen. Gleichzeitig ermöglichen virtuelle Trainingsumgebungen eine bessere Qualifizierung von Mitarbeitenden.

Diese Vorteile wirken sich unmittelbar positiv auf die Wettbewerbssituation des Mittelstandes in BW aus, was insbesondere für Hidden Champions entscheidend ist. Trotz begrenzter Ressourcen können KMU auf Augenhöhe mit großen Konzernen kooperieren, da Wissen, Daten und Prozesse digital zusammengeführt werden. Gleichzeitig muss natürlich in die digitale Infrastruktur investiert werden. 


Es zeichnet sich jedoch eine klare Entwicklung vom Hype zur Wirtschaftlichkeit ab. Während das „klassische“ Metaverse im Konsumentenbereich an Bedeutung verloren hat, wächst das industrielle Metaverse stark weiter, weil es konkrete betriebliche Vorteile liefert. Der Markt wird daher mit sehr hohen Wachstumsraten prognostiziert (teilweise über 30 – 40 % jährlich), was zeigt, dass Unternehmen hier echten Mehrwert sehen. Damit hat der Metaverse Kongress 2025 zweifelsfrei mit dazu beigetragen, dem Metaverse den Weg in die Praxis zu bahnen.