Beim Thema Digitalisierung spielt die Europäische Union eine zentrale Rolle. Denn Sie gibt einen gesetzlichen Rahmen vor, der dann im Detail in den Mitgliedsländern ausgestaltet wird. Die wesentlichen Eckpunkte hat die Europäische Union in der 2015 veröffentlichten „Strategie für einen digitalen Binnenmarkt in Europa“ festgelegt. Darin spricht sie sich etwa für einen freien, digitalen Binnenmarkt aus, in dem Unternehmen wachsen können, während gleichzeitig hohe Standards bei Verbraucher- und Datenschutz eingehalten werden.

Die Digitalpolitik Europas basiert auf drei fundamentalen Säulen:

1. Der Zugang zu digitalen Waren und Dienstleistungen soll für Verbraucher und Unternehmen sichergestellt werden.

Dafür wird beispielsweise der grenzüberschreitende Online-Handel reguliert. Denn obwohl im Jahr 2014 rund drei Viertel aller EU-Bürger das Internet nutzen, kauften nur rund 15 Prozent in einem anderen Land online ein.  Um dem Entgegenzuwirken soll unter anderem das Geo-Blocking abgebaut werden, was bislang den länderübergreifenden Handel gesperrt und somit Kaufgelegenheiten und Auswahl für Kunden stark eingeschränkt hat. Zudem sollen sowohl die Kosten für die innereuropäische Lieferung von Produkten gesenkt und transparenter gemacht, als auch das gesamte Logistiksystem effizienter gestaltet werden, damit Kunden ihre Produkte nicht zu überteuerten Preisen kaufen und lange Lieferzeiten hinnehmen müssen.

2. Die Rahmenbedingungen für digitale Netze und Dienstleistungen müssen optimiert werden.

Zu diesem Zweck soll den EU-Bürgern die bestmögliche Internetverbindung verfügbar gemacht werden, um an der digitalen Gesellschaft und Wirtschaft teilnehmen zu können. Bis 2020 muss laut der EU-Strategie die Breitbandgrundversorgung sichergestellt sein. Ebenso muss der Schutz personenbezogener Daten gewährleistet werden.
Zudem kündigte die Europäische Kommission im Juli 2016 eine öffentlich-privaten Zusammenarbeit zum Thema Cybersicherheit an. Ziel ist es, bereits in einem frühen Stadium in Forschung und in Innovationsprozessen Kooperationen mit Unternehmen einzugehen, um IT-Sicherheitslösungen für unterschiedliche Bereiche wie Energie, Gesundheit und Mobilität zu erarbeiten.

3. Die Chancen der digitalen Wirtschaft müssen erkannt und genutzt werden, damit das Wachstum vorangetrieben werden kann.

Die Europäische Kommission soll dazu unter anderem den innereuropäischen Zugang zu Daten erleichtern. Auch die daraus folgenden rechtlichen Aspekte werden von der Europäischen Kommission untersucht, wie beispielsweise Fragestellungen zum Zugang und Transfer maschineller Daten, zur Übertragung nicht-personenbezogener Daten sowie zu Interoperabilität und Standards. Dazu beitragen soll auch die europäische Cloud-Initiative, die Forschern und Fachkräften in Wissenschaft und Technologie die grenzüberschreitende Speicherung und den Austausch von Daten ermöglichen soll.

Zudem sind für eine erfolgreiche digitale Wirtschaft entsprechend ausgebildete Arbeitnehmer Voraussetzung. Denn in naher Zukunft werden für rund 90 Prozent aller Tätigkeiten digitale Fähigkeiten benötigt. Jedoch sind die Ausbildungen bislang noch nicht auf dieses Szenario ausgerichtet. Aus diesem Grund hat sich die Europäische Kommission auch zum Ziel gesetzt, Arbeitnehmern die Mittel zur Teilnahme an der digitalen Arbeitswelt anzubieten.

Die europäische Strategie für einen digitalen Binnenmarkt ist auf mehrere Jahre angelegt und konzentriert sich auf zentrale, miteinander verknüpfte Maßnahmen. Die Fortschritte werden dabei jährlich im so genannten Digital Scoreboard dargestellt.