Die Digitalisierung bringt Chancen und Herausforderungen für alle Branchen des Landes, für die Industrie genauso wie für Handwerk, Handel, das Gastgewerbe und die Dienstleistungswirtschaft insgesamt. Wirtschaft 4.0 adressiert aber nicht nur die technologischen Aspekte der Vernetzung und Digitalisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Produkten und Dienstleistungen. Neben den technologischen Aspekten beinhaltet Wirtschaft 4.0 vor allem auch Veränderungen auf der Prozessebene und nichttechnische Innovationen im Sinne von Smart Services und vernetzten Arbeitsstrukturen, neuen Führungskonzepten, Veränderungen der Unternehmenskulturen sowie neuen Geschäftsmodellen.
Vor diesem Hintergrund stellt die "Initiative Wirtschaft 4.0" ein Dach dar, das eine branchenübergreifende Bündelung bestehender Aktivitäten im Bereich Wirtschaft 4.0 ermöglicht und einen Mehrwert für alle Beteiligten schafft. Im Zuge der Verknüpfung bestehender und neuer Aktivitäten kann ein zusätzlicher Schub für die Digitalisierung durch Erfahrungsaustausch und durch das Teilen von Wissen zwischen den verschiedenen Branchen und Sektoren erreicht werden. Querschnittsthemen sollen branchenübergreifend angegangen und bearbeitet werden. Unter dem Dach der "Initiative Wirtschaft 4.0" befinden sich daher verschiedene Branchensäulen, wie die "Allianz Industrie 4.0", Handwerk 4.0, freie Berufe 4.0, Handel und Dienstleistungen 4.0 sowie perspektivisch weitere Initiativen beispielsweise im Bereich der Bauwirtschaft und Gesundheitswirtschaft. Informations- und Kommunikationstechnologien und Software sind entscheidende Enabler für die Digitalisierung der Wirtschaft. Aus- und Weiterbildung, Arbeit 4.0, Technologie- und Wissenstransfer 4.0, IT-Sicherheit, digitale Gründungen und Start-ups, neue Geschäftsmodelle, Finanzierung sowie Internationalisierung sind wesentliche Fundamente und Querschnittsbereiche für die "Initiative Wirtschaft 4.0".

Es ist offenkundig, dass sich Unternehmen und Branchen in ihrem Digitalisierungsgrad unterscheiden und sich auch zukünftig unterscheiden werden. Es gibt einerseits digitale Neulinge, die sich bei der digitalen Transformation aus unterschiedlichen Gründen eher abwartend verhalten. Andererseits hat man es mit digitalen Pionieren zu tun – vielfach junge Unternehmen aus dem IT-Sektor, die heute schon weitgehend digitalisierte Geschäftsmodelle verfolgen. Dazwischen befinden sich als digitale Mitte zahlreiche Unternehmen, die dem digitalen Wandel aufgeschlossen gegenüberstehen, aber noch erhebliche Digitalisierungsaufgaben vor sich haben.
Um die Digitalisierung der unterschiedlichen Gruppen von Unternehmen zu unterstützen, müssen die Unterstützungsmaßnahmen zielgruppengerecht ausgerichtet sein. So sind für digitale Neulinge insbesondere auch geeignete Beratungsangebote bedeutsam, während die digitale Mitte Unterstützung beim Wissenstransfer und bei der Sicherung des Fachkräfteangebots und die digitalen Pioniere vor allem auch Unterstützung aus der Forschung, bei der Risikokapitalfinanzierung und beim Marktzugang benötigen.

Die Digitalisierung wird die Arbeitswelt tiefgreifend verändern, sowohl hinsichtlich zukünftiger Beschäftigungsperspektiven als auch mit Blick auf einzelne Arbeitsplätze und Tätigkeiten. Diesen Transformationsprozess erfolgreich zu gestalten und dabei Beschäftigung zu sichern und die Schaffung guter und sicherer Arbeitsplätze zu fördern, ist gemeinsames Ziel des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, der Sozialpartner, Kammern, Verbände und der Wissenschaft.
Die mit der Digitalisierung verbundenen Chancen für Arbeit und Beschäftigung können insbesondere dann erfolgreich genutzt werden, wenn die Beschäftigten und ihre Interessenvertretungen frühzeitig in den Prozess der Einführung und Ausgestaltung eingebunden sind. Im Rahmen von betrieblicher Mitbestimmung und tariflicher Regelungen können gute und passgenaue Lösungen gefunden werden, die den wirtschaftlichen Interessen der Unternehmen ebenso gerecht werden wie den Interessen der Beschäftigten an guten Arbeitsbedingungen.
Ein wichtiges Erfolgskriterium für die Digitalisierung der Wirtschaft ist die Verfügbarkeit von Fachkräften mit hinreichendem digitalem Know-how. Die Fachkräfteallianz Baden-Württemberg leistet auch in diesem Zusammenhang einen wichtigen Beitrag, um gemeinsam die Voraussetzungen zur Fachkräftesicherung für die digitale Wirtschaft zu schaffen. Gute Arbeitsbedingungen, eine lernförderliche Arbeitsplatzgestaltung und berufliche Entwicklungsperspektiven sind dabei wichtige Faktoren zur Sicherung digitaler Fachkräfte.
Die digitale Transformation schafft zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten für Chancengleichheit und eine Unternehmenskultur 4.0, indem verstärkt flexible, individuelle Arbeits- und Karrieremodelle möglich werden. Veränderte Anforderungsprofile und Arbeitsstrukturen, insbesondere in den MINT-Berufen, bieten Möglichkeiten, die Attraktivität dieser Berufe und die Erwerbsbeteiligung von Frauen zu erhöhen.

Gerade im Transformationsprozess erhalten Qualifizierung und Weiterbildung von Beschäftigten einen zentralen Stellenwert. Die Rahmenbedingungen für Bedarfsermittlung, Inanspruchnahme, Auswahl und Durchführung von Angeboten müssen für Beschäftigte und Unternehmen verbessert werden. Im Hinblick auf den Fachkräftebedarf im Zuge der digitalen Transformation werden Medienkompetenz und Informatikunterricht schon an den Schulen immer wichtiger. Die digitale Bildung muss aber vor allem auch im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung gestärkt werden, um die Beschäftigungsfähigkeit der derzeitigen und künftigen Erwerbspersonen zu verbessern. Dabei muss die Aus- und Weiterbildung von heute die Arbeitswelt von morgen mit berücksichtigen. In diesem Zusammenhang ist auch ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung digitaler Kompetenzen von Menschen ohne formalen Schulabschluss sowie von an- und ungelernten Beschäftigten zu richten. Darüber hinaus bedarf es geeigneter Maßnahmen, um Mädchen und Frauen in ihren digitalen Kompetenzen zu stärken und für die MINT-Berufe sowie die spezifischen digitalen Berufsfelder zu gewinnen.
Um die digitale Bildung im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung zu unterstützen, haben sich die Partner des Ausbildungsbündnisses darauf verständigt, auf jeweils aktuelle Handlungsbedarfe zu reagieren, praxisnahe Lösungsansätze zu entwickeln und die Ausbildungsbetriebe hinsichtlich des digitalen Wandels zu sensibilisieren. Dabei wird es auch wichtig sein, die Potenziale der Digitalisierung als Chance für eine intensivere Zusammenarbeit der Lernorte Berufsschule und Betrieb zu nutzen.

Erfolgreiche Digitalisierung und damit die Zukunft des Mittelstands- und Innovationsstandortes Baden-Württemberg steht und fällt mit einer leistungsstarken Breitbandinfrastruktur. Für die Realisierung der Gigabitgesellschaft bedarf es einer möglichst flächendeckenden Glasfaserinfrastruktur, mit der entsprechend leistungsfähige Internetzugänge im Festnetz und im Mobilfunknetz möglich werden. Deshalb setzt sich die Landesregierung mit ihrer Breitbandinitiative für den Ausbau flächendeckend leistungsstarker, zuverlässiger und nachhaltiger mobiler wie leitungsgebundener Netze sowie hybrider Lösungen im Technologiemix ein, welche die Glasfaser immer näher zum Nutzer bringt. Dabei achtet sie darauf, dass sowohl städtische wie auch ländliche Räume flächendeckend abgedeckt werden, damit es nicht zu einer digitalen Spaltung zwischen Stadt und Land kommt.
In den kommenden Jahren werden nicht mehr nur Millionen von Smartphones und Computern vernetzt sein, sondern weltweit Milliarden von Geräten untereinander kommunizieren. Mit 5G, der Mobilfunk- und Netztechnologie der Zukunft, werden sich die Voraussetzungen für Kommunikation entscheidend verbessern. Durch eine vielfach höhere Datenkapazität und extrem geringe Reaktionszeiten wird 5G die zukünftigen Anforderungen an die Kommunikation in einer vollständig vernetzten Gesellschaft sehr viel umfassender erfüllen als es bislang möglich ist. Damit schafft 5G eine entscheidende Grundlage für neue Anwendungen intelligenter Mobilität, Industrie 4.0 und das Internet der Dinge und Dienste insgesamt.

Baden-Württemberg braucht digitale Leuchttürme mit internationaler Strahlkraft im Bereich der Wirtschaft ebenso wie bei der Forschung. Solche Leuchttürme sind im Hinblick auf den nationalen und internationalen Digitalisierungswettbewerb und für die Standortattraktivität Baden-Württembergs unverzichtbar. Die Digitalisierung der Wirtschaft ist eine große Chance, um den wirtschaftlichen Erfolg des Landes auch für die Zukunft zu sichern und um die gegenwärtig führende Rolle Baden-Württembergs im internationalen Wettbewerb zu behaupten und weiter auszubauen. Dabei sind digitale Lösungen aus Baden-Württemberg, etwa in den Bereichen Industrie 4.0, Mobilität sowie Informations- und Kommunikationstechnologien Markenzeichen, welche dem Land auch für die Zukunft einen internationalen Wettbewerbsvorsprung sichern können.
Ein wichtiger Beitrag zur Zukunftsfähigkeit des Standorts ist es aber auch, dass die Digitalisierung in der gesamten Fläche des Landes vorankommt. Deshalb ist es notwendig, dass die Wirtschaft in der Fläche des Landes in ihren Digitalisierungsbemühungen unterstützt wird. Dazu zählen ein guter Zugang zu Forschungseinrichtungen, Einrichtungen des Wissenstransfers und geeigneten Beratungseinrichtungen. Dies gilt für bestehende Unternehmen und Unternehmensgründungen gleichermaßen.

Durch die Digitalisierung der Wirtschaft werden Innovationen an Bedeutung noch zunehmen. Dies gilt sowohl für technische als auch für nichttechnische Innovationen (Dienstleistungsinnovationen, neuartige Prozess-, Organisations- und Marketingkonzepte oder Geschäftsmodelle sowie Plattformen) und ebenso für soziale Innovationen, also Lösungen für drängende gesellschaftliche Herausforderungen.
Neue digitale Technologien, digitale Geschäftsmodelle und neuartige Innovationsprozesse, wie zum Beispiel Open Innovation, werden an Bedeutung gewinnen. Wichtig ist hierbei auch, Souveränität im Umgang mit digitalen Lösungen zu entwickeln und zu vermitteln. Baden-Württemberg mit seiner gut ausgebauten Forschungsinfrastruktur, insbesondere auch im Bereich der wirtschaftsnahen Forschung, und mit seinem dichten Netz an Einrichtungen des Wissenstransfers hat beste Voraussetzungen, um die Unternehmen bei digitalen Innovationen zu unterstützen. Auch profitiert das Land von seinen entwickelten Clusterstrukturen.
Der von der Landesregierung eingesetzte Technologiebeauftragte hat gerade auch die Aufgabe, die Wirtschaft bei ihren digitalen Innovationen zu unterstützen.

Baden-Württemberg ist bekannt dafür, dass die Unternehmensgründungen eine besonders hohe Gründungsqualität aufweisen, die in höheren Überlebensraten junger Unternehmen als in anderen Bundesländern zum Ausdruck kommt. Gleichwohl gewinnt im Zuge der Digitalisierung der Wirtschaft die Steigerung der Gründungsdynamik zunehmend an Bedeutung. Im digitalen Zeitalter sind es immer öfter junge, agile Unternehmen mit disruptiven Geschäftsmodellen, die Innovationen vorantreiben. Dabei ist die baden-württembergische Start-up-Szene nicht mit Städten wie Berlin vergleichbar, sondern besteht aus verschiedenen regionalen Ökosystemen mit unterschiedlicher technologischer Prägung.
National wie international ist schon länger ein stark umkämpfter Wettbewerb um die besten Start-ups entfacht. Baden-Württemberg muss diesen Wettbewerb noch offensiver annehmen, seine Stärken als Start-up-Standort besser bündeln und vermarkten und in der Entwicklung, Betreuung und Finanzierung von skalierbaren Geschäftsmodellen internationales Top-Niveau erreichen.

Zahlreiche Umfragen belegen, dass IT-Sicherheit von vielen Unternehmen nach wie vor als großes Hemmnis im Prozess der Digitalisierung der Wirtschaft gesehen wird. In diesem Zusammenhang muss eine landesweite Sensibilisierung insbesondere kleiner und mittlerer Unternehmen erfolgen sowie der Wissenstransfer aus der Forschung und zwischen den Unternehmen verbessert werden. Die Forschung im Bereich der IT- und Datensicherheit muss mit Nachdruck fortgesetzt werden.
Baden-Württemberg verfügt hier über eine gute Ausgangsbasis, es existieren Einrichtungen und Initiativen, wie das Kompetenzzentrum für IT-Sicherheit, das Digitale innovationszentrum (DIZ) und das Kompetenzzentrum für angewandte Sicherheitstechnologie (KASTEL), welche in ihrer Wirkung weiter zu stärken sind. Der Bewertung und dem Transfer bereits existierender Sicherheitstechnologien von der Forschung in die Praxis kommt eine besondere Bedeutung zu. Darüber hinaus besteht ein hoher Bedarf an Qualifizierungsmaßnahmen sowohl bei Beschäftigten in Unternehmen, die als IT-Anwender sicherheitstechnische Kompetenzen besitzen müssen, wie auch von speziellen IT-Sicherheitsexperten. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt besteht ein Mangel an qualifizierten Fachkräften im Bereich Datenschutz, Datensicherheit und IT-Sicherheit.

Die Digitalisierung der Wirtschaft benötigt investitions- und innovationsfreundliche Rahmenbedingungen, die eine effiziente Förderung von Forschung und Entwicklung gewährleisten sowie ausreichende Anreize für Investitionen in digitale betriebliche Lösungen setzen. Gerade um digitale Innovationen des Mittelstands voranzubringen, könnte die Einführung einer steuerlichen FuE-Förderung einen wesentlichen Beitrag leisten. Wichtig ist außerdem ein Ordnungsrahmen, der einen fairen Wettbewerb zwischen jungen Start-ups und etablierten Unternehmen in den Bereichen des Arbeits-, Steuer- und Wettbewerbsrechts sowie des Verbraucher- und Datenschutzes und der Datennutzung gewährleistet. Nur so können die Herausforderungen der Sharing Economy, zum Beispiel im Beherbergungs- und Beförderungsgewerbe sowie im Handwerk, bewältigt und die Chancen einer "Plattformökonomie" genutzt werden. Darüber hinaus ist ein geeigneter Rechtsrahmen beispielsweise für die digitale Mobilität und das automatisierte Fahren notwendig. Insgesamt ist es die Aufgabe der Politik gemeinsam mit den Partnern aus Wirtschaft, Gewerkschaften, Verbänden und Gesellschaft, die wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen (zum Beispiel Steuer- und Arbeitsrecht) so zu gestalten, dass die Chancen der Digitalisierung möglichst umfassend genutzt und ihre Risiken minimiert werden können.