Aktuell stehen auch immer mehr größere Unternehmen vor der Frage, wie sie notwendige Entwicklungsvorleistungen, die zumeist Grundlage zahlreicher technischen Innovationen sind, vor dem Hintergrund wachsenden Wettbewerbsdrucks und schnellerer Innovationszyklen finanzieren können. Ein möglicher Ausweg ist hier die Öffnung von Innovationsprozessen für außenstehende Akteure. Dabei gibt es drei mögliche Vorgehensweise:

  • die Integration externen Wissens oder entsprechender Wissensträger (z. B. Vergabe von Entwicklungsaufträgen, Anstellung von Mitarbeitern mit neuen Kompetenzen oder Aufkauf von Unternehmen mit Schlüsselkompetenzen). Das Know-how von außen, also beispielsweise Lieferanten, Kunden und externe Partner (z. B. Hochschulen) wird dabei genutzt, um die Qualität und Geschwindigkeit des Innovationsprozesses zu erhöhen.
  • das Investment in neue Geschäftsfelder außerhalb des bestehenden Unternehmens
  • die Kooperation mit komplementären Partnern (inkl. Wettbewerber und Netzwerke)

Die Zusammenarbeit mit sich ergänzenden Partnern führt zum Konzept der Open Innovation. Dabei kommt es zu einem Austausch von Wissen, wobei nicht in jedem Einzelfall Geld fließen muss.

Es erfolgt ein kontinuierlicher Wissensaustausch mit Zulieferern, mit Forschungseinrichtungen und –  nicht zu unterschätzen – mit (End-) Kunden. Dabei müssen bei weitem nicht alle Themenfelder für Open Innovation geöffnet werden, sondern diese Entscheidung wird immer für bestimmte Aspekte oder Themen getroffen. Andere Aspekte werden wie bisher geheim gehalten oder durch Patente geschützt.

Die aktive Einbindung von Endkunden, also das klassische Kundengespräch, stellte auch in der Vergangenheit gerade für Handwerker, Dienstleister und das Gastgewerbe einen wichtigen Lieferanten für neue Ideen und deren Marktwert dar. Welcher Gewerbetreibende hat nicht durch aktive Nachfrage eines Kunden "Warum bietet ihr nicht das und das auch an?" ein neues Angebot am Markt platziert. Entscheidend für Open Innovation ist die Kultur und Herangehensweise, für solche Anregungen offen zu sein.

Open Innovation vs. Patente

Eigentumsverhältnisse beeinflussen ökonomische Prozesse wesentlich. Vor diesem Hintergrund stellt die Strategie zum Umgang mit geistigem Eigentum einen Kernbestandteil jeder guten Unternehmensstrategie dar. Grundsätzlich gibt es dabei zwei Ansätze:

  • die Veröffentlichung
  • der Schutz

Historisch erfolgte der Schutz des geistigen Eigentums durch Geheimhaltung. Produktionsverfahren oder Rezepturen wurden nur ausgewählten Mitarbeitern offenbart und häufig mit dem Unternehmen an die nächste Generation weitergegeben. Mit der Entwicklung vom Handwerk zum Gewerbe wurde Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Patent und weiteren Elementen eine rechtliche Absicherung jenseits der Geheimhaltung geschaffen. Geistiges Eigentum wurde damit zur Ware. Patente sind jedoch mitnichten geheim, sondern vielmehr mit der Offenlegung frei zugänglich. Mit Geheimhaltung und Patentschutz waren zwei grundlegende Vorgehensweisen geschaffen, die noch heute ihre Gültigkeit haben.

Open Innovation ≠ Free Innovation

Auch wenn Open Innovation das Konzept der Öffnung beinhaltet, bedeutet dies nicht, dass innovative Ideen mit beliebigen Akteuren im Außenfeld geteilt werden. Vielmehr teilt man seine Ideen mit denjenigen Partnern, die im Rahmen einer (idealerweise) win-win-Situation deren Realisierungschancen verbessern. Ein Cluster bietet dafür eine sehr günstige Ausgangsposition, da grundlegende Vertrauensverhältnisse bereits aufgebaut sind und (auch informelle) Kenntnisse über Stärken und Schwächen der potenziellen Partner verfügbar sind.

Rückblick Open Innovation-Kongress Baden-Württemberg 2017

Auf dem Kongress vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg sowie der Steinbeis 2i GmbH vermittelten Expertinnen und Experten aus Theorie und Praxis Grundlagen, Strategien, Methoden, gute Praktiken und Erfolgsgeschichten gerade auch von kleineren Unternehmen und Start-ups im Bereich Open Innovation. Ein Schwerpunkt lag auf der Bedeutung digitaler Techniken. Neue Innovationsmethoden, wie das Innovation Hacking, wurden ebenso vorgestellt wie neue Infrastrukturkonzepte in Form von Innovation Labs und Makerspaces.

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