Interview mit Herrn Andreas Joos - Zweirad Joos, Radolfzell

Zweiradfachgeschäft
Andreas Joos GmbH & Co KG
Schützenstr. 11
78315 Radolfzell
www.zweirad-joos.de
5 Standorte
Ca. 110 Mitarbeiter

Es gilt die Frequenz im Geschäft zu halten oder zu steigern. Dabei ist die Digitalisierung für unser Geschäft eine wichtige Säule. So haben wir in unserem neuen Geschäft in Immenstaad bewusst eine kleinere Fläche gewählt, was Mietkosten spart. Der Kunde muss jedoch über unser umfangreiches Angebot informiert werden, und hierbei setzen wir auf unsere Click & Collect Counter, welcher im nächsten Jahr an allen Standorten umgesetzt werden soll.

Um den Onlinevertriebsweg zu optimieren, werden wir uns ab Januar mit einem eigenen E-Commerce Manager verstärken. Ziel ist aber, dass alle Mitarbeiter für diesen neuen Vertriebsweg mitgenommen werden, um sämtliche Produkte und Angebote auf die Onlinepräsenz zu untersuchen. Für den Kunden ist es wichtig, auf Produkte zurückgreifen zu können, die tatsächlich lieferbar sind. Darum hat die Pflege unseres Warenwirtschaftssystems Priorität Nummer eins. Darüber hinaus haben wir mit zwei Lieferfirmen bereits eine Schnittstelle aufgebaut, um auf das Lager unserer Lieferanten Einsicht nehmen zu können. Das heißt, unser Kunde kann innerhalb kürzester Zeit auch auf diese Artikel zurückgreifen.

Die große Herausforderung bei dem Onlineshop ist aber, perfekte Bilder, die wir in unserem eigenen Fotostudio machen, einzupflegen und vor allem verständliche Texte zu schreiben. Hierbei ist es von existenzieller Bedeutung, auf Erfahrung unserer stationären Verkäufer zurück zu greifen, die wissen, was die Kunden wünschen und die dies am besten in Text übersetzen können.

Grundsätzliche Pflicht sehe ich es nicht, aber für unser Unternehmen war es die logische Fortentwicklung. Wir haben ganz einfach mit einer Internetseite begonnen. Danach hatten wir einen Ebay-Shop und waren immer wieder hocherfreut, welche Bestellungen vom Wochenende am Montag eingetroffen waren. Nachdem dieses Geschäft mehr wurde und wir sahen, welche Provisionen aufgerufen wurden, reifte der Entschluss zu einem eigenen Shop. Ziel des Shops war aber immer digital so interessant zu sein, dass der Kunde ins Geschäft kommt. 60% der Kunden wollen nicht online kaufen und machen es nur dann, wenn sie vor Ort nicht das Passende finden.

Unsere Priorität liegt heute sicher im eigenen Onlineshop, doch wir haben auch weiterhin eine Schnittstelle zu EBAY und AMAZON. Dies hat für uns einen Werbeeffekt, aber wir verlangen auch bei den Verkäufen dieser Plattformen Versandkosten.

Wenn ich mich im Massenmarkt bewege, muss ich preisaggressiv sein können. Es gilt aber, Ware zu finden, wo man nicht vergleichbar ist. Das können Sondergrößen sein, oder Lagerware, die bei uns noch vorrätig, aber in vielen anderen Geschäften bereits ausverkauft sind.

Es beginnt bei der Internetseite, die Lust auf das Geschäft macht. Für uns ist der Shop wichtiger Teil des Verkaufs im stationären Geschäft. Der Kunde trifft seine Vorauswahl, um dieses Produkt dann im Geschäft mit dem Verkäufer zu diskutieren. Dadurch wird das Verkaufsgespräch intensiver und effektiver.
Damit dies funktioniert, kommen die Texte sowie die Bilder von uns. Die Datenaufarbeitung ist wichtig, damit man die Filterfunktion kundengerecht gestalten kann. Alle Verkäufer überprüfen diese Texte in den schwachen Zeiten, somit haben wir immer Saison. Wir konzentrieren uns auf die Fahrräder, im Zubehörbereich sind die Preise kaputt. Wir legen Wert auf einen reibungslosen Onlineverkauf und versenden unsere Räder wieder komplett montiert. Somit ist die Reklamationsrate sehr niedrig. Ein Versuch mit teilmontierten Rädern, um Transportkosten zu sparen, war nicht erfolgreich.

Zum Onlineshop bieten wir auch die Telefonberatung an, die letztendlich auch dazu führt, Fehlkäufe und damit Reklamationen zu vermeiden. Außerdem haben wir einen Ansatzpunkt, um Zusatzverkäufe zu tätigen. Auch online können wir nicht mit geringen Spannen arbeiten, da die Kosten da sind, nur auf anderen Kostenträgern.
In Zukunft gilt es, sich im stationären Geschäft auch digital sichtbar zu machen, und dies wollen wir mit Großbildschirmen machen. Darüber kann man Lust erzeugen und Dienstleistungen, Seminare und Touren verkaufen. Neu bei uns ist eine Eventabteilung, die wie eine Eventagentur arbeitet und in unserer Region nicht nur auf das Fahrrad, Mountainbike fokussiert, sondern genauso Angebote bei Segeln, Minigolf und Segway macht. Es gilt die Region im Gesamten zu vermarkten. Über allem bleibt aber die Frequenz im Laden zu halten. Dabei helfen wieder die Touren, die bei uns in der Regel vor unserem Geschäft beginnen.

In früheren Jahren habe ich immer mit Neid auf die Kollegen in den Metropolen geschaut, was dort möglich war. In diesem Punkt ist Online ein Segen für Händler in der Provinz, denn die Reichweiten, die wir heute erzielen, wären ohne online nicht möglich.

Interview mit Herrn Johannes Nölscher - Schuh Kaufmann GmbH, Heilbronn

Schuhgeschäft
Schuh Kaufmann GmbH
Fleinerstr. 20
74072 Heilbronn
1 Standort
25 Mitarbeiter
Gründung: 1923

Digitalisierung findet auf allen Kanälen statt!
Johannes Nölscher – Geschäftsführer Schuh Kaufmann GmbH

Die drei wichtigsten Herausforderungen sind für uns:
TOP 1 Digitalisierung
TOP 2 Logistik
TOP 3 Ertragssicherung und Preisstabilität

An erster Stelle steht für uns dabei ein hochmodernes Warenwirtschaftssystem. Dies ist aus unserer Sicht unerlässlich, um nicht zuletzt die Produktdaten (wie z.B. Bestände, Lieferzeiten, Bilder, EANs etc.) der verschiedenen Lieferanten zu harmonisieren. Und um die im Online-Handel so wichtigen technischen Schnittstellen für Online-Shops und Marktplätze, wie Amazon zu schaffen. Das funktioniert nur durch eine gute Zusammenarbeit zwischen den Herstellern und Lieferanten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang ist die Digitalisierung unserer wichtigsten Kennzahlen und der Pflege eines Kennzahlencockpits. Ich will als Händler zu jeder Zeit Zugriff auf meine Daten, wie z.B. Umsatz, Frequenz, Ø-Bon, Personaleinsatz etc. Zugriff haben. Nur so kann ich tagesgenau meine Abläufe in meinem Unternehmen richtig steuern. Ich verlasse mich dabei weniger auf mein Bauchgefühl sondern auf die tatsächlichen Zahlen.

In der Tat steht an TOP 2 für uns im Jahr 2017 die Optimierung unserer Logistikprozesse. Dabei diskutieren wir aktuell mit unseren Lieferanten die Möglichkeiten zur Optimierung der gesamten Supply Chain, welche aufgrund des großen technologischen Fortschritts, heute schon wieder eine ganz andere ist, als noch vor 5 Jahren. Des Weiteren beschäftigen wir uns sehr intensiv mit der Thematik der verlängerten Ladentheke und der damit verbundenen Sicherung von Lieferfähigkeit der Produkte, um unsere Kunden zu jeder Zeit zufrieden zu stellen.

Als letzten Punkt möchte ich in diesem Zusammen die Ertragssicherung und die Preisstabilität erwähnen. Diese sind für uns elementar wichtig, um diesen wichtigen Transformationsprozess richtig und nachhaltig umzusetzen.

Ob on- oder offline – die Zukunft unserer Branche ist digital. Dabei ist es uns sehr wichtig auch unsere Mitarbeiter mitzunehmen. Dies gelingt allerdings nur, wenn Händler bereit sind in die Qualifikation und Ausbildung ihrer Mitarbeiter zu investieren. Für uns ist das Erfolgsfaktor Nummer 1.

Ein eigener Shop ohne Fullfillment durch einen Anbieter auf keinen Fall! Ich bin Fachhändler mit Leidenschaft – dazu gehört der Kundenkontakt und Nähe. Und das Abholen des Kunden auf den Kanälen, wo er es wünscht. Pflicht ist für mich lediglich die maximale Kundenzufriedenheit, da muss jeder Kollege seinen eigenen Weg finden.

Wir nutzen den Service des Webshop www.schuhe.de und verkaufen auf Amazon. Und ja, der Verkauf über diese Kanäle lohnt sich.
Man muss dabei allerdings aufpassen, nicht der Versuchung zu erliegen den Umsatz vor den Ertrag zu stellen. Dies macht eine bis ins kleinste Detail optimierte Kalkulation sowie vollautomatisierte Bestellprozesse unerlässlich.

Ja, es gibt Rabattschlachten im Internet, aber auch stationär. Dabei handelt es sich um ein selbstgemachtes Problem. In diesem Wettbewerb kann sich nur der-/diejenige behaupten, der/die seine/ihre Kostenkalkulation on- und offline im Griff hat.

Für uns hat Digitalisierung und die damit verbundene Veränderung der Prozesse und Modelle allerhöchste Priorität. Ich würde sagen, es ist für uns momentan das allerwichtigste die digitale Transformation in unserem Unternehmen zu forcieren. Dabei besteht die Kunst darin, die Neuerungen und Veränderungsprozesse anzunehmen und mitzugestalten, ohne dabei den Kunden aus dem Fokus zu verlieren. Dies kann allerdings nur durch ein hohes Maß an Engagement und Zusatzarbeit gelingen.

Interview mit Vietz Frischemarkt, Sindelfingen

Vollsortiment Nahversorger
Vietz Frischemarkt e.K.
Talstr. 61
71069 Sindelfingen
1 Standort
40 Mitarbeiter
Gründung: 1973

- Personal: Motivierte Fachkräfte und Auszubildende finden
- Logistik & Warenverfügbarkeit: Fokus auf regionaler Kleinlieferanten
- Digitalisierung: Individuelles Marketing am POS

Nein, unsere Kernkompetenz zeigen wir am Point of Sale am besten. Für weitere Dienstleistungen, Bestellungen aus dem Convinience Sortiment und vor allem das Online Marketing haben wir uns für die Plattform Facebook entschieden, da unsere Kunden hier schon unterwegs sind. Online Präsenzen leben von der Aktualität und Interaktion. Dem versuchen wir auf diesem Weg gerecht zu werden.

Weder noch. Die Plattform ebay kann ich mir persönlich aus Image Gründen nicht als Handelsplattform für meine Produkte vorstellen. Bei Amazon sieht das anders aus, hier ist eher die Kostenstruktur im Marketplace abschreckend. Bei Amazon ist der Teststore „Amazon Go“ ein spannender Innovationstreiber, der im Gegensatz zum „Amazon Fresh“ die Aufmerksamkeit wirklich verdient hätte!

Im Lebensmitteleinzelhandel ist es interessanter Weise genau andersherum: Die Rabattschlacht findet am POS statt und der Kunde erwartet die gleichen Angebote online. Hier wird sich zeigen wer dies auch profitabel umsetzen kann.

Die digitale Transformation bedeutet für mich konkret mit Hilfe von neuen Prozessen und Tools die Warenverfügbarkeit zu optimieren, individuelles Marketing zu betreiben und die notwendigen aber nicht direkt wertschöpfenden Prozesse wie z.B. die Personalplanung zu optimieren. Dies steigert dann auch wirklich nachhaltig die Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit.

Wir setzen in einigen Bereichen auch ganz bewusst auf Nicht- Digital: Anstatt von Werbemonitoren finden unsere Kunden im rückwärtigen Bereich der Serviceabteilung von einer lokalen Künstlerin illustrierte Wochenangebote auf Schieferstein und statt einer digitalen Rezeptdruckstation gibt’s bei uns in der Showküche am Wochenende nicht nur leckeres zum Probieren und Nachkochen sondern neben dem Rezept auch die persönliche Beratung. Persönliche Klasse statt Digitaler Masse.